2007 Ich habe einen Pinguin geheiratet

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Aufführung aus : 4. December 2013

Description

 In der Theatersaison 2007 spielt der Theaterverein Thalia Sindorf

Ich habe einen Pinguin geheiratet

Eine Komödie von Johnnie Mortimer und Brain Cooke (deutsch von Wolfgang Spier)

Dem Autorenteam Charly Sommer und Arthur Grau brennt die Zeit unter den Nägeln; ihr Agent erwartet in Kürze ein neues Drehbuch von ihnen. Verzweifelt suchen die Beiden gemeinsam nach einer Story. Doch da die zwei Männer genauso gegensätzlich sind wie ihre Ideen, scheint auch heute die Suche zunächst wieder ergebnislos.

Als jedoch plötzlich die Ehefrauen von Charly und Arthur die bisherige häusliche (Un-) Ordnung auf den Kopf stellen, erkennen die Autoren, dass ihre eigenen Lebensumstände doch eigentlich den besten Stoff für ein Drehbuch liefern.

Mit dieser zündenden Erkenntnis beginnt in den Wohnungen der beiden Paare ein turbulentes Durcheinander, bei dem die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit fließend sind.

 

 

 

 

 

 

 

Pikanter Partnertausch

VON RUTH LÜTZ-BEDORF, 07.10.07, 18:44h

Spielfreudig und ideenreich begeisterte der Theaterverein „Thalia“ das Premierenpublikum.

 

 

 

 

 

 

 

Kerpen-Sindorf – „Ich war irgendwie daran gewöhnt, jeden Tag zu essen.“ Als er das zu Betty (Susanne Büchner) sagt, ist Charly (Hans-Josef Pütz) schon halb verhungert. Seit einer Woche teilt er sich mit ihr Tisch und Bett, Letzteres zwar sehr erfolgreich, wie seine Rückenschmerzen beweisen, aber im Haushalt rührt die Neue keine Hand. Ganz im Gegensatz zu Doris, Charlys Ehefrau (Andrea Pütz), die mit Hingabe kocht, backt, putzt und wäscht, dafür aber im Schlafzimmer sehr viel zurückhaltender ist als die erotische Betty.

Seit einer Woche nun verwöhnt Doris Bettys Ehemann Arthur (Klaus Balsmann), der mittlerweile schon zwei Kilo zugelegt hat. Der pikante Partnertausch ist das Ergebnis eines feucht-fröhlichen Dia-Abends.

Charly und Arthur sind ein erprobtes Autoren-Team, dem es allerdings im  Augenblick an Einfällen für eine neue TV-Serie mangelt. Gedrängt von Maurice, ihrem Agenten (Sascha Bücher), geht ihnen plötzlich ein Licht auf: Ihr Privatleben bietet genug Stoff für eine Seifenoper.

Am Samstagabend begeisterte der Theaterverein „Thalia“ unter der Regie von Hans-Josef Pütz in der Aula des Schulzentrums Horrem-Sindorf mit dieser turbulenten Geschichte sein Premierenpublikum.

 

„Ich habe einen Pinguin geheiratet“ heißt die Komödie aus der Feder von Johnnie Mortimer und Brian Cooke – es blieb den Zuschauern überlassen, welchen Sinn sie diesem Titel geben wollten. Immerhin wusste die Regie witzige Funken aus ihm herauszuschlagen, indem sie in einer Zwischenszene ein köstlich gewandetes Pinguin-Brautpaar mit Trippelschrittchen über die Bühne watscheln ließ.

Es hagelte lustige Einfälle, Situationskomik und Wortwitz trieben die schönsten Blüten, und die Spielfreude der Schauspieler sowie deren Wandlungsfähigkeit schlugen die Zuschauer in Bann. In High Heels und Netzstrümpfen gab Susanne Büchner mit blasiertem Augenaufschlag die Sexbombe und platzierte punktgenau ihre Anzüglichkeiten.

Andrea Pütz, in lustig karierter Schürze, war das hingebungsvoll umsorgende Hausmütterchen. Zum Typen-Trio ergänzt wurde die Frauenriege durch Frau Tappert (Ingrid Minke), die neugierige Nachbarin in Kittelschürze und Lockenwicklern, die stets zur Unzeit aufkreuzte und ihre Nase ins unsolide Geschehen steckte.

Klaus Balsmanns und Hans-Josef Pütz’ Umgang mit ihren jeweils neuen Partnerinnen führten zu anhaltendem Gekicher und Gelächter im Publikum. Die beiden lieferten sich zudem einen urkomischen Kampf um die perfekte Realisierung ihrer TV-Serien-Idee, einfallsreich unterstützt von Sascha Bücher.

Eine raffiniert konzipierte und liebevoll gestaltete Bühne, die zwei in Rot und Grün getauchte Zimmer zeigte, erlaubte den Blick auf verschiedene Schauplätze (Bühnenwart: Wilfried Obst, Innengestaltung: Manfred Jansen). Diesem Bühnenbild und einer fantasievollen Regie waren herrlich amüsante Szenen zu verdanken, in denen sich Realität und Fiktion mehr und mehr mischten.

Nach dem Premierenpublikum können sich Zuschauer noch 16-mal an weiteren Aufführungen erfreuen, die aber alle bereits ausverkauft sind.

Der Theaterverein „Thalia“, der 2003 unter anderem mit dem Kulturpreis des Rhein-Erft-Kreises ausgezeichnet wurde, existiert bereits seit 1922 und ist inzwischen ein wahrer Publikumsmagnet, wovon die zahlreichen stets ausverkauften Vorstellungen zeugen. Einen großen Teil seiner Einnahmen spendet der Theaterverein sozialen Einrichtungen.

 

 

 

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst

Theaterverein Thalia glänzte mit “Ich habe einen Pinguin geheiratet”

 

 

 

 

 

“Ich habe einen Pinguin geheiratet” bietet den Zuschauern eine gute Mischung aus Situationskomik und den Problemen, die entstehen, wenn zwei Gegensätze aufeinander prallen. Foto: Krause

Kerpen-Sindorf (pk). Wenn sich zwei völlig unterschiedliche Fernsehautoren eine Idee für eine neue Serie einfallen lassen müssen, ist das meist der Anfang vom Ende. Die konservativen Vorschläge des einen passen häufig nicht wirklich mit den modernen Anschauungen des anderen zusammen. Ein Drama für alle Beteiligten und eine äußerst witzige Angelegenheit für die Außenstehenden.

Das scheint sich wohl auch die Besetzung des Theaterverein “Thalia” gedacht zu haben, als sie für ihr neues Stück “Ich habe einen Pinguin geheiratet” geprobt haben. Das Stück von Johnnie Mortimer und Brian Cooke glänzt auf wunderbare Art und Weise mit einem Humor der Gegensätzlichkeit und zeigt am Ende, dass letztlich das wahre Leben die spannendsten Geschichten liefert.

“Wir machen keine Experimente und spielen nur Boulevardstücke”, erklärte Regisseur Hans-Josef Pütz, der selbst auch in der Rolle des flippig denkenden Autors Charly Sommer auf der steht. Sein Gegenüber, der altherkömmliche Arthur Grau, wird von Klaus Balsmann gespielt. Er erfreut sich noch an den traditionellen Dingen. Viel spannender als der Urlaub ist für ihn die anschließende Diavorführung. Sehr zum Leidwesen seines Freundes und Kollegen Charly, der sich diesem “Highlight” nur mit einer ordentlichen Portion Alkohol aussetzen kann.

Daran finden auch die beiden Ehefrauen (gespielt von Susanne Büchner und Andrea Pütz) und sein Kollege schnell Geschmack. Aus dem öden Dia-Abend wird schnell ein heiteres Trinkgelage. Der Kater am nächsten Morgen ist unausweichlich. Doch als die Vier tags drauf aufwachen, erleben sie eine noch ganz andere Überraschung?

Innerhalb von zwei Stunden waren alle 16 Veranstaltungen im Schulzentrum Horrem-Sindorf ausverkauft. Die bisherigen Stücke des Theatervereins zeichneten sich vor allem durch eine durchgehende Handlung aus, die gegen Ende aufgelöst wurde. “Diesmal haben wir jede Menge Situationskomik im Spiel”, so Hans-Josef Pütz. “Die Zuschauer müssen aufpassen.” Herausgekommen ist ein spontanes Stück über die Probleme zweier Ehepaare, die sich nicht nur vor ihrer tratschenden Nachbarin Frau Tappert (Ingrid Minke) und dem Agenten des Fernsehsenders, Maurice (Sascha Büchner) retten müssen, sondern auch vor sich selbst.

 

 

 

Das wirkliche Leben – oder auch nicht

VON OLIVER TRIPP, 08.10.07, 07:15h

KERPEN-SINDORF. Ein Spiel um Illusion und Wirklichkeit entzündeten die Laiendarsteller des Thalia-Theaters am Samstagabend an drängenden Themen erotischer und kulinarischer Kunst, die kurzerhand im Partnertausch endet. „Ich habe einen Pinguin geheiratet“, mehr als den Titel zu einer neuen Fernsehserie haben Charly (Hans Josef Pütz) und Arthur (Klaus Balsmann) dem drängelnden Agenten Maurice (Sascha Bücher) nicht vorzuweisen. Da spielt ihnen das wirkliche Leben bei einem langweiligen Diaabend einen Streich. Das wirkliche Leben?

Angefeuert von Arthurs selbstgekelterten Radieschenspätlesen und Karottenrosé ergänzt von scharfen Destillaten aus der Bar, „Leber, Achtung“, wacht Charly im ehelichen Bett mit Arthurs Frau Betty auf, dargestellt von Susanne Büchner. Arthur hingegen teilt den Morgenkaffee mit Charlys Gattin Doris (Andrea Pütz) und das noch in Gegenwart der Klatschtante Frau Tappert, gespielt von Ingrid Minke.

„Meine Frau ist nicht so für die körperlichen Seiten“, hat Charly der Betty vorher anvertraut, und „Betty lässt sogar den Salat anbrennen“, hat Arthur dem Freund ohne Umschweife eröffnet. Während Arthur allerdings „auf die Bibel“ schwört, alles sei harmlos gewesen, müssen Charly und Betty Farbe bekennen. „Wie war ich?“ „Wie eine Rakete.“ „Und wie ist Arthur?“ „Wie ein Knallbonbon.“

Arthur und Doris sind sauer und verziehen sich in die rechte Hälfte der Bühne, Arthurs Wohnung, Doris serviert ihm fortan Köstlichkeiten. Körperlichkeiten lehnt sie aber ab: „Es ist doch noch nicht einmal Samstag“.

Betty und Charly verziehen sich in die linke Bühnenhälfte und ist Betty auch reizend, so träumt der hungrige Charly doch von Doris „selbst gebackenen Zitronenschaumplätzchen“. Messerscharfe Dialoge, brennende Entwürfe landen im Sektkübel, ein Hahnenkopf aus Pappmaschee kündigt mit „Kikeriki“ die verräterische Morgenstunde an, und Charly rutscht bei jeder Lüge die Hose. So weit ein ganz normaler Schwank.

Im zweiten Akt treffen sich die Freunde wieder. „So geht das nicht weiter“ haben sie erkannt. Und Stoff für eine Serie haben sie jetzt auch. Braucht ja keiner zu wissen, dass sie es selbst sind, und sie spinnen den Stoff „Partnertausch“ aus.

Was die Zuschauer auf der Bühne zu sehen bekommen, sind drei aberwitzige Entwürfe zum Thema von zwei ganz unterschiedlichen Autoren in einer von Lichteffekten verfremdeten Welt. Die Schauspieler präsentieren nunmehr die Persiflage einer Boulevardkomödie gespickt mit allen gängigen Klischees.

Der mit Hundefutter misshandelte Kulturmensch Arthur lässt seine Betty Beluga-Kaviar im Charleston-Kostüm servieren, während der Deftige Charly seine Geschichte im Nippeser Arbeitermilieu eines Tetzlaff oder Hausmeister Krause ansiedelt. Doris stellt Flöns mit Senf auf den Tisch, aus dem Radio dudelt die Nippeser Bürgerwehr ein seltsames Lied.

Die schwäbelnde Vorlage dieser Passage der deutschen Übersetzung der Komödie von Johnnie Mortimer und Brian Cooke, habe er eigens ins Kölsche übersetzt, sagt Thalia-Regisseur Hans Josef Pütz später.

Im dritten Szenarium lässt Arthur gar Betty und Doris vor sich niederknieen, und Frau Tappert, bislang mit Lockenwicklern, entpuppt sich als dritte Anbeterin, als Nonne, die sexy Unterwäsche zeigt.

Für eine Fernseh-Serie erscheint den Autoren das Thema schließlich doch zu dicht an der Wirklichkeit – tauglich allemal für ein Theaterstück?

Am Ende sieht man die Freunde wie zu Beginn ratlos die Köpfe zusammenstecken, immerhin haben sie einen Titel: „Ich habe einen Pinguin geheiratet.“ Die Zuschauer dankten den Akteuren für die Persiflage eines Schwanks mit langem Applaus.

 

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